Leporello Verlag Krefeld |
Ehrenwerte MörderDie erfolgreiche Carlotta van Eick kehrt nach jahrelangem Auslandsaufenthalt an den Niederrhein zurück. Ihre angeblich Altersverwirrte Großmutter hat ihr in einem Brief angedeutet, Informationen über den verschollenen Vater zu haben. Da sich Carlotta das rätselhafte Verhalten ihrer Familie nach einem plötzlichen Todesfall nicht erklären kann, beginnt sie Nachforschungen anzustellen. Ihre jüngere Halbschwester, allein erziehende Mutter von drei Kindern, ist zunächst wenig begeistert, doch gemeinsam kommen die beiden Frauen nicht nur ihren verschwundenen Vätern und zwei Morden auf die Spur. ISBN 978-3-936783-27-8 Preis: € 9,90 Pressestimmen: Ehrenwerte Mörder
Geschrieben von Jürgen Lenke Die erfolgreiche Fotografin und Journalistin Carlotta van Eick hat einen wahrhaft heftigen Schicksalsschlag erlitten. Nach zehn gemeinsamen Jahren wurde sie von ihrem Lebens- und Berufspartner wegen einer Jüngeren sitzen gelassen. In dieser Situation erreicht sie ein Brief ihrer Großmutter Anna, in dem die alte Dame andeutet, dass sie Wichtiges über Carlottas auf mysteriöse Weise verschwundenen Vater zu berichten hat und sie um ihren Besuch bittet. So verlässt sie ihre elegante Londoner Loft, reist ins heimatliche, niederrheinische Krefeld und quartiert sich dort im Ausflugslokal ihrer Familie ein. Hier erwartet sie leider auch keine entspannte Atmosphäre. Das mittlerweile arg vernachlässigte Gasthaus steht kurz vor der Pleite, die innerfamiliären Konflikte drohen zu eskalieren. Kein Wunder, bei vier Generationen unter einem Dach, wobei der despotische Großvater Karl als einziger Mann im Haus gar nicht daran denkt, die Zügel aus der Hand zu geben und längst fälligen Veränderungen in der Gastronomie zuzustimmen. Wie eh und je meint nur er zu wissen, was gut und richtig für seine weiblichen Verwandten ist. Potenzielle Nebenbuhler in Form von Freunden und Ehemännern weiß er gekonnt zu vergraulen. Parallel zu den aktuellen Erlebnissen Carlottas und ihren Bemühungen sich mit ihrer komplizierten Familie zu arrangieren, wird in zeitlichen Rückblenden die Romanze ihrer Eltern geschildert. Eine Beziehung, die von ihrem tyrannischen, moralisierenden Vater im höchsten Grade missbilligt wurde. Selbst das großzügige Hochzeitsgeschenk des Schwiegersohns – jenes oben erwähnte Ausflugslokal – und die Geburt Carlottas konnten Karls Ablehnung nicht mildern. Als Carlotta zwei Jahre alt war, gab ihr Vater den zermürbenden Kleinkrieg mit dem Schwiegervater anscheinend auf und verschwand - angeblich nach Italien. Nachforschungen der nun erwachsenen Carlotta ergeben jedoch, dass er dort nie angekommen ist. Und hier wird aus dem, was als Familien- und Frauenroman angefangen hat, ein richtiger Krimi - allerdings ein Krimi leiser Töne. Erfreulich unblutig, aber nichtsdestoweniger mit stetig ansteigender Spannung geht es der überraschenden Auflösung entgegen. Die Story ist logisch und glaubhaft aufgebaut und die lebendig gezeichneten Charaktere meint man schon seit langem zu kennen. Kein Wunder, Ähnlichkeiten mit eigenen Familienmitgliedern des Lesers sind sicher beabsichtigt und sorgen für einen hohen Wiedererkennungswert. Ein flüssiger, leichtfüßiger Schreibstil sorgt dafür, dass man den schmalen Band gerne in einem Zuge durchliest. Ein bisschen Nachdenklichkeit bleibt auf jeden Fall zurück. Nachdenklichkeit darüber, dass es selbst unter so ehrenwerten Menschen, die ja eigentlich nur das Beste für ihre Familie wollen, bei bestimmten Konstellationen trotzdem zu Mord und Totschlag kommen kann. Wie gesagt, der Wiedererkennungswert ist erstaunlich ... Bibliographische Angaben
Ina Coelen
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